Was ich Ihnen nicht sage
Ich sage Ihnen nicht, dass Informatik sicher ist, weil es um Technik geht — die Programmierarbeit hat sich bereits stärker verändert als die meisten anderen akademischen Tätigkeiten. Ich sage Ihnen auch nicht, dass Geisteswissenschaften verloren sind; die Fähigkeit, einen Text auf seine Voraussetzungen hin zu prüfen, wird eher wertvoller, wenn Texte beliebig herstellbar werden.
Was ich Ihnen sage: Beide Aussagen wären Meinungen. Und Meinungen sind eine schlechte Grundlage für eine Entscheidung, die sechs Jahre und womöglich sechsstellige Beträge bindet.
Was ich stattdessen liefere, ist Nachprüfbarkeit. Jede Zahl in diesem Beitrag ist unten belegt, mit Fundstelle und Datum. Sie können jede einzelne davon selbst nachschlagen.
Was dieser Beitrag nicht leisten kann
Die vier Merkmale können Sie ab heute selbst anwenden. Ein Modulhandbuch, eine Zugangsordnung, ein ruhiger Abend — für einen Studiengang reicht das. Deshalb steht der Beitrag hier und nicht hinter einer Anmeldung.
Der Aufwand kommt danach. Schon der Vergleich mehrerer Studiengänge kann umfangreiche Recherche erfordern. Und die Angabe, auf die es ankommt, steht selten dort, wo man sie sucht. Ein Beispiel von einer offiziellen Zulassungsseite: Der englischsprachige Medizin-Bachelor in Maastricht wurde zum Studienjahr 2026/27 eingestellt. Internationale Bewerberinnen bewerben sich seither auf den niederländischsprachigen Studiengang und benötigen einen anerkannten Niederländischnachweis, etwa NT2-II. Diese eine Zeile auf einer Zulassungsseite entscheidet über eine ganze Route. In keinem Ranking steht sie.
Eine zusätzliche Perspektive kann die Entscheidung erleichtern. Sie kennen Ihr Kind; es bringt eigene Wünsche mit. Ich ergänze diese Sichtweisen um die Recherche und den Vergleich konkreter Studienwege. Im Gespräch halten wir fest, worin Sie übereinstimmen, was noch offen ist und welche Information für die Entscheidung fehlt.
Denn die Frage, die am Ende wirklich auf dem Tisch liegt, klingt nicht nach Methodik. Sie klingt so: Unsere Tochter will Jura studieren. Ergibt das heute noch Sinn?
Darauf gibt es keine allgemeine Antwort — und beide schnellen Antworten sind falsch. „Natürlich, Anwälte wird es immer geben" ignoriert, dass sich die juristische Einstiegsarbeit gerade schneller verändert als fast jede andere akademische Tätigkeit. „Bloß nicht, das macht bald die KI" ignoriert, dass der Zugang zum Beruf über die Kammern rechtlich geregelt ist und dass jeder Schriftsatz einen Namen trägt, der dafür haftet. Die brauchbare Antwort liegt dazwischen, und sie hängt an Dingen, die man für dieses eine Kind prüfen muss: an welcher Fakultät, mit welchem Schwerpunkt, mit welchem zweiten Standbein, und mit welcher Alternative, falls sich der erste Weg nicht öffnet.
Beides gehört in eine ernsthafte Beratung: was Ihr Kind will — und was davon sich halten lässt. Das eine ohne das andere führt entweder zu einer Entscheidung, die niemand durchhält, oder zu einer, die niemand wollte. Für Jura habe ich diese Zwischenantwort inzwischen ausgearbeitet — mit Prüfungsstatistik, Kosten und Marktlage: Lohnt sich Jura im Zeitalter von KI noch? In einem begleiteten Prozess prüfe ich beide Seiten und lege Ihnen das Ergebnis schriftlich vor: drei geprüfte Wege, nachvollziehbare Kostenannahmen und offene Fragen, datiert und unterschrieben. Für den konkreten Weg prüfen wir etwa die Zulassungsordnung und das Modulhandbuch; notwendige Auskünfte einer Anerkennungsstelle halten wir als nächsten Schritt fest, solange sie noch fehlen. Ein fiktives Beispiel zeigt der Muster-Bericht: Zwei Wege werden mit Budgetrechnungen verglichen; eine dritte Option scheidet wegen einer festen Sprachvorgabe der Beispielfamilie aus.
Bildungsbrief
Viermal im Jahr der Bildungsbrief: kurze Notizen zu Studienwegen, Prüfungsstatistik, Visa-Lagen und Studienkosten. Ohne Werbe-Druck, Abmeldung mit einem Klick.
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Häufige Fragen
Was soll mein Kind angesichts von KI studieren?
Eine Fachempfehlung aus Prognosen lässt sich nicht seriös ableiten: Vorhersagen zu einzelnen Berufen treffen regelmäßig nicht ein. 2016 riet der später mit dem Nobelpreis ausgezeichnete Geoffrey Hinton öffentlich davon ab, weiter Radiologen auszubilden; zwischen 2010 und 2022 stieg deren Zahl in den USA um zwölf Prozent, und Hinton räumte später ein, sich „um etwa den Faktor drei“ verschätzt zu haben. Prüfen lassen sich dagegen vier Merkmale eines Studiengangs: die Breite der Grundlagen, ein gesetzlich geregelter Berufszugang, die Anschlussfähigkeit nach dem Bachelor und die Bindung an persönliche Verantwortung. Sie stehen in Studienordnung, Zugangsrecht und Haftungsregeln.
Welche Studiengänge sind zukunftssicher?
Eine Liste sicherer Fächer gibt die Forschung nicht her. Die Schätzungen, wie viele Tätigkeiten sich automatisieren lassen, reichen von 9 Prozent (OECD, 2016) über 14 Prozent (OECD, 2018) bis 47 Prozent (Frey und Osborne, 2013); das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung nennt für Deutschland 38 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Berufen, in denen Maschinen mehr als 70 Prozent der Tätigkeiten übernehmen könnten (Bezugsjahr 2022). Diese Spannbreite entsteht durch unterschiedliche Methoden und Grundgesamtheiten, nicht durch neue Erkenntnisse.
Ersetzt KI ganze Berufe?
Die Stanford-Auswertung vom August 2026 findet eine relative Beschäftigungslücke von 19 Prozent für 22- bis 25-Jährige in KI-exponierten Berufen gegenüber weniger exponierten Gleichaltrigen. Das ist ein beschreibender US-Befund, kein Kausalnachweis oder Beleg für flächendeckenden Arbeitsplatzverlust.
Lohnt sich ein Studium trotz KI noch?
Gemessen am Arbeitsmarkt ja, aber der Abstand zur beruflichen Ausbildung ist kleiner geworden. Die Arbeitslosenquote von Akademikern lag 2025 bei 3,3 Prozent und damit erstmals seit 2007 wieder über drei Prozent; ohne qualifizierten Abschluss ist mehr als jeder Fünfte arbeitslos. Der Lebensverdienst eines Hochschulstudiums liegt nach Rechnungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung rund 1,07 Millionen Euro über dem von Beschäftigten ohne Berufsabschluss. Der größte Unterschied besteht also zwischen Abschluss und keinem Abschluss, nicht zwischen Studium und Ausbildung.
Woran erkennt man einen robusten Studiengang?
An vier Merkmalen, die sich ohne Prognose nachschlagen lassen. Erstens die Breite der Grundlagen: Wer Mathematik, Statistik und wissenschaftliches Arbeiten beherrscht, kann die Fachrichtung wechseln. Zweitens ein rechtlich geregelter Berufszugang wie Approbation, Kammerzulassung oder Staatsprüfung. Drittens die Anschlussfähigkeit: Aus wie vielen Masterprogrammen lässt sich nach diesem Bachelor wählen? Das ist auszählbar. Viertens die Bindung an persönliche Verantwortung: Tätigkeiten, für die ein Mensch mit Namen haftet, verschwinden nicht durch Automatisierung.