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ElevaStudienstrategie
Erstgespräch
Stand 13. August 2026

Medizin ohne 1,0 — welche Wege jetzt wirklich offen sind.

„Mit dem Schnitt wird das nichts“ — dieser Satz stammt aus einem Vergabesystem, das es seit 2020 nicht mehr gibt. Nur drei von zehn Studienplätzen werden heute allein nach Abiturnote vergeben. Für den Rest zählen andere Dinge — und die Spielregeln ändern sich gerade an zwei Stellen: beim Test und in den Niederlanden.

Zum Wintersemester 2025/26 haben sich 31.543 Menschen auf 10.281 Humanmedizin-Plätze beworben — rund drei Bewerbungen je Platz. Das ist eine harte Auswahl, aber sie läuft anders, als die meisten Eltern es aus ihrer eigenen Studienzeit kennen: Die Wartezeitquote ist seit der Reform von 2020 abgeschafft, und die Abiturnote ist nur noch in einer von drei Quoten das alleinige Kriterium.

So werden die Plätze seit 2020 vergeben

30 %Abiturbestenquote — allein die Note, verglichen je Bundesland in sechzehn getrennten Landeslisten
10 %Zusätzliche Eignungsquote (ZEQ) — die Abiturnote zählt hier gar nicht; es zählen Testergebnis, Berufsausbildung und Dienste
60 %Auswahlverfahren der Hochschulen (AdH) — Note plus weitere Kriterien; an den meisten Fakultäten ist der Studierfähigkeitstest der größte Posten neben der Note

Sieben von zehn Plätzen werden also in Verfahren vergeben, in denen ein sehr guter Test eine gute, aber nicht herausragende Abiturnote ausgleichen kann. Wer mit 1,5 oder 1,8 gar nicht erst antritt, überlässt diese Plätze denen, die das Verfahren verstanden haben.

Der alte Medizinertest läuft aus

Der Test für medizinische Studiengänge, seit Jahrzehnten der wichtigste Hebel neben der Note, wird abgelöst. Ab dem Vergabeverfahren zum Wintersemester 2027/28 ersetzt ein neuer Test — der TMSnat, der die kognitiven Aufgaben des TMS mit den naturwissenschaftlichen Inhalten des Hamburger HAM-Nat verbindet — die beiden bisherigen Verfahren. Der letzte reguläre TMS findet am 7. und 8. November 2026 statt.

Termine, an Primärquellen geprüft

19. Aug 2026Ende der letzten Anmeldephase für den Herbst-TMS, 5:00 Uhr morgens (tms-info.org)
7./8. Nov 2026Letzter regulärer TMS
ab WS 2027/28TMSnat ersetzt TMS und HAM-Nat im Vergabeverfahren
8./9. Mai 2027Erster TMSnat-Termin nach Ankündigung der Koordinationsstelle; Anmeldung voraussichtlich ab Februar 2027

Was das für die Planung heißt, hängt an der Jahrgangsstufe. Wer jetzt in die Qualifikationsphase geht und schon auf den TMS gelernt hat, muss in den nächsten Tagen entscheiden — nach dem 19. August gibt es für den alten Test keine Anmeldung mehr. Wer in Klasse 10 oder 11 ist, plant von vornherein auf den TMSnat — und profitiert von dessen wichtigster Änderung: Der neue Test soll sich beliebig oft wiederholen lassen. Der eine verpatzte Testtag, der bisher ganze Studienpläne beerdigt hat, verliert damit seinen Schrecken.

Der stillste Weg: die Quote ohne Note

Die Zusätzliche Eignungsquote wird regelmäßig übersehen, vermutlich weil ihr Name nach Verwaltungsvorschrift klingt. Dabei werden dort zehn Prozent der Plätze vergeben, ohne dass die Abiturnote überhaupt betrachtet wird — hochschulstart schreibt das wörtlich so. Es zählen der Test und eine abgeschlossene Ausbildung in einem medizinischen Beruf. Eine Ausbildung zur Notfallsanitäterin nach dem Abitur ist auf diesem Weg keine verlorene Zeit, sondern ein Zulassungskriterium — und gelebte Praxiserfahrung obendrein, die später im Studium niemand mehr nachholen muss.

Österreich: Die Note ist egal — die Quote nicht

Beim österreichischen Aufnahmetest MedAT spielt die Abiturnote keine Rolle. Es gibt auch keine Bestehensgrenze: Die Plätze gehen der Reihe nach an die besten Testergebnisse. Das macht den Weg für Bewerber ohne Spitzenabitur attraktiv — und entsprechend voll.

MedAT im Studienjahr 2026/27

1.950 PlätzeHumanmedizin gesamt: Wien 784, Innsbruck 430, Graz 406, Linz 330 (MedUni Innsbruck, 2026)
16.880verbindliche Anmeldungen zum Test am 3. Juli 2026 — knapp neun je Platz
KontingenteMindestens 75 % der Plätze für österreichische Reifezeugnisse, mindestens 95 % für EU-Bürger. Deutsche Bewerber konkurrieren also um rund ein Fünftel der Plätze
AblaufAnmeldung im März, Test Anfang Juli, ein Termin pro Jahr

Gerechnet werden muss trotzdem ehrlich: Im EU-Kontingent kommen auf einen Platz deutlich mehr Bewerber als im österreichischen. Leichter als der deutsche Weg ist der MedAT darum nicht. Er lässt sich aber lernen: Monate planbarer Vorbereitung treten an die Stelle einer Abiturnote, die längst feststeht. Für ein Kind, das im Testformat stark ist und unter Notendruck schwach war, kann das der richtige Tausch sein. Und der Abschluss wird als EU-Abschluss in Deutschland automatisch anerkannt.

Niederlande: Das Ende des englischen Sonderwegs

Jahrelang war „Medizin auf Englisch in Holland“ die Standardauskunft für Familien ohne Einser-Abitur. Diese Auskunft ist veraltet, und zwar seit Kurzem: Groningen unterrichtet den Bachelor seit dem Studienjahr 2025/26 ausschließlich auf Niederländisch — die Universität schreibt das inzwischen mit Ausrufezeichen in ihre Programmbeschreibung. Maastricht, die zweite englischsprachige Adresse, hat ihren International Track zum Studienjahr 2026/27 eingestellt. Hintergrund ist die niederländische Politik der „Internationalisierung im Gleichgewicht“, die englischsprachige Bachelor-Programme landesweit zurückdrängt.

Damit ist der Medizin-Bachelor in den Niederlanden flächendeckend niederländischsprachig. Die Route selbst bleibt bemerkenswert offen: Die Auswahl läuft über ein Numerus-fixus-Verfahren der jeweiligen Universität, nicht über den deutschen NC — Groningen etwa vergibt 400 Plätze, die Bewerbung läuft über Studielink bis zum 15. Januar, und für die Zulassung verlangt die Universität Niederländisch auf Niveau B1. Aber sie ist jetzt ein Sprachprojekt mit mindestens einem Jahr Vorlauf, ehrlicherweise mehr: In den klinischen Abschnitten spricht man mit Patienten.

Wer Ihrer Familie heute noch die englische Route in die Niederlande anbietet, arbeitet mit dem Stand von vorgestern. Das ist der verlässlichste Test für die Qualität einer Beratung, den ich kenne.

Landarztquote und Privatstudium: möglich, mit Preisschild

Mehrere Bundesländer — darunter Nordrhein-Westfalen und Bayern — vergeben einen Teil ihrer Plätze über die Landarztquote: Auswahl nach Eignungsverfahren statt nach Note, dafür die vertragliche Bindung, nach der Facharztweiterbildung zehn Jahre in einer unterversorgten Region zu arbeiten. Wer aussteigt, zahlt in der Regel 250.000 Euro Vertragsstrafe. Das ist eine Entscheidung über das Leben mit 35, getroffen mit 18. Für ein Kind mit einem klaren, gefestigten Berufsbild kann sie richtig sein; als Notausgang aus dem NC ist sie zu teuer.

Private Hochschulen in Deutschland — von Hamburg über Potsdam bis Witten — nehmen ohne NC auf und wählen in eigenen Verfahren aus. Die Studiengebühren liegen je nach Haus bei etwa 6.000 bis 11.500 Euro pro Semester; Witten/Herdecke arbeitet als Sonderfall mit einem umgekehrten Generationenvertrag, bei dem die insgesamt 62.880 Euro erst nach dem Berufseinstieg einkommensabhängig gezahlt werden. Rechnet man ein sechsjähriges Studium durch, steht am Ende ein Betrag in der Größenordnung eines Einfamilienhaus-Kredits — das muss eine Familie nicht abschrecken, aber sie sollte es vorher ausgerechnet haben.

Die Frage, die über allem steht: Führt der Weg zurück?

Ein Abschluss ist erst die halbe Strecke. Abschlüsse aus EU-Staaten — Österreich, die Niederlande, auch die osteuropäischen Staatsuniversitäten — werden nach der EU-Berufsanerkennungsrichtlinie 2005/36/EG automatisch anerkannt; die deutsche Approbation wird auf Antrag erteilt, ohne Gleichwertigkeitsprüfung. Großbritannien ist seit dem Brexit Drittstaat: Dort entscheidet die zuständige Landesbehörde im Einzelfall über die Gleichwertigkeit, gegebenenfalls mit Kenntnisprüfung. Das kann gut ausgehen und tut es oft — aber es ist ein Verfahren mit offenem Ausgang, und das gehört in die Rechnung, bevor die erste Studiengebühr fließt.

Einschätzung

Was ich Familien dazu sage

Die Reihenfolge der Prüfung ist wichtiger als die Zahl der Optionen. Zuerst das Inland ausreizen: Test, Auswahlverfahren, Eignungsquote — das kostet Vorbereitung, aber kein Vermögen und keine Sprache. Dann das EU-Ausland mit gesichertem Anerkennungsweg. Erst danach alles, was Bindungen oder sechsstellige Beträge verlangt.

Und vor jeder Unterschrift bei einer Vermittlungsagentur zwei Fragen: Wer bezahlt diese Beratung — Ihre Familie oder die Hochschule, an die vermittelt wird? Und führt der angebotene Abschluss zur deutschen Approbation, belegt mit der Rechtsgrundlage statt mit einer Broschüre? An diesen beiden Fragen scheitert ein erstaunlich großer Teil des Marktes.

Am Schnitt scheitern weniger Bewerber, als Ihre Familie glaubt — die meisten scheitern daran, das Verfahren zu spät zu verstehen.

Wie eine solche Prüfung durchgerechnet aussieht — Kosten, Fristen, Zulassungswahrscheinlichkeiten, drei Routen im Vergleich —, steht im Muster-Pfad-Bericht. Für die eigene Familie leistet das Eleva Pivot: in vier Wochen ein schriftlicher Pfad-Bericht mit drei geprüften Routen. Und zur Frage, die in Erstgesprächen gleich danach kommt — ob sich Medizin angesichts von KI überhaupt noch lohnt —, steht die Antwort im Beitrag „Was soll mein Kind angesichts von KI studieren?".

Quellen

  1. Stiftung für Hochschulzulassung: Quotenmodell des Zentralen Vergabeverfahrens. hochschulstart.de, abgerufen am 13. August 2026. Bewerber- und Platzzahlen zum Wintersemester 2025/26 nach Angaben der Stiftung. Zur Quelle ↗
  2. TMS-Koordinationsstelle: Fristen und Termine. tms-info.org, abgerufen am 13. August 2026 (Herbst-TMS 7./8. November 2026, Anmeldephase bis 19. August 2026, 5:00 Uhr). Angaben zum TMSnat nach Ankündigung der Koordinationsstelle für das Vergabeverfahren ab Wintersemester 2027/28. Zur Quelle ↗
  3. Medizinische Universität Innsbruck: MedAT-Aufnahmeverfahren zum Medizinstudium für das Studienjahr 2026/27. Pressemitteilung 2026 (1.950 Plätze; 16.880 Anmeldungen; Kontingentregelung). Zur Quelle ↗
  4. Rijksuniversiteit Groningen: Bachelor Medicine. rug.nl, abgerufen am 13. August 2026 (Unterrichtssprache Niederländisch, Numerus fixus 400 Plätze, Bewerbungsschluss 15. Januar, Sprachniveau B1). Zur Quelle ↗
  5. Maastricht University: Einstellung des englischsprachigen Medicine-Tracks zum Studienjahr 2026/27; berichtet u. a. im Hochschulmagazin Observant, Maastricht. Zur Quelle ↗
  6. Landarztquote: Angaben der Länderprogramme, u. a. landarztquote.bayern.de und das Landeszentrum Gesundheit Nordrhein-Westfalen. Abgerufen am 13. August 2026. Zur Quelle ↗
  7. Richtlinie 2005/36/EG über die Anerkennung von Berufsqualifikationen, Anhang V; § 3 Bundesärzteordnung. Zur Einordnung britischer Abschlüsse seit dem 1. Januar 2021: Auskünfte der Approbationsbehörden der Länder. Zur Quelle ↗

Dieser Beitrag gibt den Stand vom 13. August 2026 wieder. Zulassungszahlen, Fristen und Testformate ändern sich jährlich; maßgeblich sind die genannten Primärquellen. Der Beitrag stellt belegte Sachinformation dar und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall.

Erstgespräch

Fünfundzwanzig Minuten. Kostenfrei.

Wenn der Schnitt Ihres Kindes gerade über den Medizin-Wunsch zu entscheiden droht: Telefonisch oder online. Beraten wird darin nicht — wir klären, ob ich der Richtige für Ihre Familie bin.